Frontdoor 2001/0098

Egner, Heike

Trend- und Natursport als System

Publikationstyp Dissertation
Fachbereich Fachbereich 22: Geowissenschaften
Erscheinungsjahr 2001
Erscheinungsort Mainz
Abstract
Abstract: Leisure activities such as mountain biking, rock 
climbing, delta plane flying, and windsurfing are 
de-velopments of the last two decades. Their evolution and 
diversification is mainly restricted to 
western-industrialized societies, i.e. societies that are 
differentiated by their functions. The appearance and 
progression in diversification of modern outdoor sports is 
analyzed and interpreted based on the sys-tem theory by 
Niklas Luhmann. An important element of these leisure 
activities is the recourse on the body. By this means, 
modern outdoor sports can play an important role in the 
search for identity of the individuals in these societies.
Geographers are interested in the meaning of leisure 
development for the landscape. In this context 'landscape' 
is not understood as its physical appearance, but as a 
personal mental reconstruction through usage and perception 
of the landscape by the individual. The type of 
reconstruction is highly dependent on the perspective of the 
individual. For the athletes of modern outdoor sports the 
perspec-tive is structured by their preferred type of 
sports, at least while they are looking for new locations to 
perform their activities. For this reason a natural (or 
cultural) landscape is transformed into a land-scape of 
sports. Through the eyes of athletes, almost any object and 
any landscape (even the whole world) can be seen as a 
landscape of sports. 
The question is: Why do some spots develop into 'top spots' 
- into locations that everyone must visit to be part of the 
'scene' - while others don't? This question is examined as a 
case study on an area which has already developed into a 
'top spot'. We attempt to analyze the sequence by which the 
land-scape's 'career' as a sporting locale developed. Moab 
is a small town (ca. 5000 inhabitants) in south-east Utah 
(USA) which evolved during the early 1990s into an 
international meeting point of mountain bikers. Today, more 
than 200.000 mountain bike tourists per year visit the most 
famous trail (Slickrock Bike Trail). Besides mountain 
biking, river rafting and rock climbing play an important 
role in the tourist business.

Zusammenfassung: Freizeitaktivitäten wie Mountainbiking, 
Sportklettern, Drachen- und Gleitschirmfliegen oder 
Windsur-fen sind relativ neue Erscheinungen der letzten 
fünfzehn bis fünfundzwanzig Jahre. Ihre Entwicklung und 
Ausdifferenzierung beschränkt sich vor allem auf 
Gesellschaften westlich-industrieller Prägung, deren 
Grundlage ein funktional differenziertes Gesellschaftssystem 
ist. Mit Hilfe des Beobachtungsin-strumentes der neueren 
soziologischen Systemtheorie wird zunächst das Aufkommen und 
die immer fortschreitende Ausdifferenzierung von Trend- und 
Natursportarten analysiert und gedeutet. Es zeigt sich, daß 
diese neuen Freizeitaktivitäten über den Zugriff auf die 
eigene Körperlichkeit in hohem Ma-ße zur Identitätsfindung 
der Individuen solcher Gesellschaftssysteme beitragen.
Aus geographischer Sicht stellt sich die Frage nach der 
Bedeutung dieser Entwicklung für die Land-schaft. Dabei wird 
Landschaft explizit nicht als etwas verstanden, daß 'an 
sich' existiert, sondern als etwas, das 'erlebt' oder 
'begriffen', also immer wieder aufs Neue im Auge des 
Betrachters konstru-iert wird. Für die Sporttreibenden von 
Trend- und Natursportarten ist der Blick auf die Welt durch 
ihre Sportart strukturiert. Jedenfalls immer dann, wenn es 
darum geht, eine Sportstätte für ihre jeweilige 
Sportausübung auszuwählen. Die Naturlandschaft (oder auch 
Kulturlandschaft) wird damit zur 'Sportlandschaft'. Der 
Begriff der 'Landschaft' erscheint dann im Sinne Werlens 
'alltäglichen Geo-graphie-Machens' als eine permanent neu zu 
erstellende und damit sich auch ständig verändernde 
Perspektive auf die Objektwelt. So kann sich im Auge der 
Sporttreibenden von Trend- und Natur-sportarten jedes Objekt 
und jede Landschaft, wenn man so will: die Welt, als ein 
einziger großer Sportplatz darstellen.
Wenn also alles potentiell eine Sportstätte sein kann, 
stellt sich die Frage, wie es zur Herausbildung sogenannter 
Top Spots kommt, also zu jenen Sportstätten, die innerhalb 
der jeweiligen Sportart von herausragender Bedeutung sind - 
sozusagen die oberste Sprosse der Karriereleiter erklommen 
haben - und an der jeder gewesen sein muß, der innerhalb der 
sportartspezifischen Szene etwas gelten will. Dieser Frage 
wird anhand eines Fallbeispiels nachgegangen. Als Grundlage 
wurde ein Untersu-chungsgebiet gewählt, das sich bereits in 
einem fortgeschrittenen Stadium der Entwicklung zu einem Top 
Spot befindet - eine Landschaft also, die bereits eine 
'Karriere als Sportlandschaft' aufzuweisen hat. Die peripher 
gelegene US-amerikanische Kleinstadt Moab in Südost-Utah 
(ca. 5.000 Einwohner) hat sich seit Anfang der 1990er Jahre 
zu einem internationalen Szene-Treffpunkt für Mountainbiking 
entwickelt. Zu dem wichtigsten Mountainbike-Trail (dem 
Slickrock Bike Trail) kommen pro Jahr al-lein mehr als 
200.000 Mountainbike-TouristInnen. Neben dem Mountainbiking 
spielt River Rafting eine bedeutende Rolle im Tourismus und 
es hat sich dort in den letzten Jahren außerdem eine kleine 
Sportkletter-Szene etabliert, die in den nächsten Jahren 
sicherlich noch an Bedeutung zunehmen wird.